Überraschend solide präsentierte sich der VfL Bensheim im Hessenderby beim wiedererstarkten TV Lich. Mit 78:81 blieb man am Ende erfolglos, konnte aber auf eine starke Mannschaftsleistung stolz sein. Die Punkte blieben aber bei den Mittelhessen, die damit nach Punkten zum VfL aufschließen konnten.
Von Beginn an war der VfL mehr als ein ebenbürtiger Gegner. Youngster Ben Keßler eröffnete die Partie mit einem erfolgreichen Freiwurf, und in der Folge staunten die rund 650 Zuschauer in der Dietrich-Bonhöffer-Halle nicht schlecht, wie engagiert die Gäste in der Verteidigung zu Werke gingen. Bemerkenswert war, dass neben Keßler auch wieder die anderen Jugendlichen, Justus Arndt und Johann Roth in der Startaufstellung standen. Lich traf in der ersten Halbzeit keinen einzigen Distanzwurf, eine Folge des hohen Drucks auf das Aufbauspiel der Gastgeber. Lohn waren die jeweiligen Führungen zum Ende des ersten Viertels (21:18) und zur Halbzeit (38:32).
Für Coach Christian Roth gab es in der Halbzeit keinen Anlass, etwas am Spiel seines Teams zu ändern. Allerdings galt es zu beachten, dass die Bensheimer personell nicht optimal in die Partie gestartet waren. Die beiden Topscorer waren in der Woche nicht im Training. Während Eric Curth absagen musste, konnte Johann Roth sich im letzten Moment genesen von einer Magen-Darm-Erkrankung zurückmelden. Sein Einsatz musste aufgrund der mangelnden Fitness genau geplant werden, die Einwechslung von Yann Gröhlich gab ihm immer wieder Verschnaufpausen. Die Rückkehr von Felix Becker nach langer Verletzungspause erwies sich in der zweiten Halbzeit als Volltreffer. Becker und der an diesem Abend hervorragend aufgelegte Tobias Faller schraubten den Vorsprung des VfL auf 52:37 (24. Minute). Lich nahm eine Auszeit und forcierte in der Folge die Verteidigung. Binnen weniger Minuten war der Vorsprung des VfL zum Ende des dritten Viertels auf 59:55 geschrumpft.
Im letzten Abschnitt entwickelte sich ein echtes Drama. Lich überrollte die Gäste zunächst, nutzte jede Gelegenheit zum Schnellangriff und ging 63:59 in Führung. In der Halle gab es niemanden mehr, der auf die Südhessen gesetzt hätte. Doch trotz hoher Foulbelastung bei Liyanage und Roth schaffte man es, den Anschluss zu halten. Vier Freiwürfe von Faller sorgten für das 71:73, ehe der Licher Aufbauspieler Tim Schneider doch noch seine Treffsicherheit von außen fand. Felix Becker konnte antworten und 30 Sekunden vor Schluss stand es durch zwei nervenstark verwandelte Freiwürfe von Kapitän Liyanage 78:78. Lich sorgte im letzten Angriff für Verwirrung in der Bensheimer Defensive, der Ball ging erneut zu Tim Schneider und der traf erneut gegen den herauseilenden Felix Becker von jenseits der Drei-Punkte-Linie. Roth nahm eine Auszeit, der VfL hatte noch 11 Sekunden Zeit, die Verlängerung zu erzwingen. Der Spielzug brachte den Ball wieder zu Becker, der allerdings gegen harte Bedrängnis nicht verwandeln konnte. Damit war die Niederlage besiegelt.
„Wir haben heute mit die beste Saisonleistung gezeigt, trotzdem sind wir selbstverständlich nicht zufrieden“, bilanzierte Richi Maurer nach der Partie. Der Flügelspieler war nicht im Kader, unterstützte sein Team aber von der Bank aus und hatte viel Positives gesehen: „Lich hat personell stark aufgerüstet und wir konnten in letzter Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht ordentlich trainieren. Dafür haben wir uns mehr als ordentlich verkauft und die heimischen Zuschauer haben das honoriert. Das können wir wenigstens mitnehmen.“
Es spielten: Justus Arndt, Johann Roth (4 Punkte), Yann Gröhlich (7 Punkte / 1 Dreier), Marc Liyanage (14 / 1), Ben Keßler (3), Julius Kraus (8 / 1), Jonas Gieseck (4), Felix Becker (15 / 3), Niko Anders (3 / 1), Tilman Isensee (4), Russel Drach, Tobias Faller (16).
